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TigerAuge

15.05.2006, 14:15
 

Die Goaßkasliesl (Die ZiegenKäseElisabeth) (Erfahrungsberichte)

<h3>Die Goaßkasliesl (Die ZiegenKäseElisabeth)</h3>


<hr>


<b>Ein herzliches Aloha</b>

Vor Jahren habe ich auf einer Alm einen Apfelstrudel aus Ziegenmilch gegessen. Danach hatte ich Durchfall, Sodbrennen und Magenschmerzen. Damit war für mich das Thema Ziegen erledigt.

Bis ich letztes Jahr Elisabeth und ihren Ziegenkäse kennen gelernt habe. Für Bekannte sollte ich bei ihr Camembert, Brie und mehr besorgen. Wir plauderten ein wenig und stellten fest, dass wir beide aus Franken stammen. Damals hatte ich wenig Zeit und an Ziegen und deren Produkten hatte ich durch das negative Elebnis auch kein sonderliches Interesse.

Meine Freunde gaben mir dann einige Proben verschiedener Käsesorten zum Kosten. Mit der Toilette im Blickwinkel habe ich vorsichtig und zögernd den Käse mit frischem Bauernbrot probiert. Ich war begeistert! Das <i>Zeug</i> schmeckte einfach köstlich! Überhaupt nicht nach Ziege!

Heute sage ich, dass sich nach meinem Geschmack der Ziegenkäse von Elisabeth gegenüber Kuhmilchkäse gut behaupten kann. Durch ihre Geschmackskreationen und Ideen versteht sie es meisterhaft, Gaumen und Zunge immer wieder neu zu begeistern.


Wie kam Elisabeth nach Tirol?
Warum ist sie aus- oder besser umgestiegen?

Hier <i>ihre</i> Geschichte:
Elisabeth ist in Franken geboren. Absolvierte ein Jura-Studium und zuletzt hat sie in München bei einer der größten Mercedes-Vertretungen die Rechtsabteilung geleitet.
Sie hatte eine Penthauswohnung mit 200 qm über den Dächern der Stadt. Einladungen, Veranstaltungen, exklusive Restaurantbesuche, teure Kleidung und mehr. Schickeria pur halt. So sah ihr Leben noch vor etwa neun Jahren aus.
Mit Ziegen hatte sie nichts am Hut.

Von München ins Stubaital ist es nicht weit. Tirol hat sie schon immer fasziniert. Als Touristin besuchte sie oft das Tal.

Der Zufall oder auch das Schicksal wollte es, dass sie dort einmal zum Goaßerball (Ziegenball) ging und ihren jetzigen Mann Hubert traf, der Maurer und Nebenerwerbsbauer war.

<i>Liebe</i> versetzt bekanntlich Berge und hat Liesl mit Hubert zu einem <i>neuen</i> Leben auf dem Kratzerhof in Neustift - Neder geführt. Ein Umstieg von der leitenden Rechtsanwältin zur Ziegenbäuerin. Eine 180-Grad-Wendung in ihrem Leben.

Einfach war es für Elisabeth anfangs allerdings nicht. Von den Schwiegereltern und den Einheimischen wurde sie als "die Dame aus der Großstadt" angesehen. Sie ist älter als Hubert und nicht katholisch. Sie musste sich gegen Vorurteile, Neider und Spötter behaupten und letztlich durchsetzen.

Im ersten Jahr war sie oft nahe daran, alles aufzugeben. Doch dank ihrer Kämpfernatur und ihrem eisernen Willen blieb sie.
Hubert hielt seinerzeit 15 Ziegen. Heute besitzen sie über 100.

Elisabeth hat französische Bücher über Käseherstellung gelesen. Experimentierte und suchte <i>ihren</i> besonderen Ziegenkäse. Einiges ging dabei auch schief. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Sie arbeitete hart und war sehr fleißig.
Liesl wollte <i>anderen</i> Käse anbieten und hat dabei eine Marktlücke gefunden.

Einige ihrer Käsesorten sind:
- Roulade in Schnittlauch gerollt,
- Bällchen in Gewürzen gerollt mit Brennnessel,Kurkuma und Walnüssen,
- Gletscher-Kaserl (Ziegen-Mozzarella) natur,
- Stubaier Bauernkaserl - eingelegt in kalt gepresstes Sonnenblumenöl mit verschiedenen Gewürzen u. Knoblauch,
- Camembert mit Brennnessel, innen oder außen belegt mit Walnüssen,
- Schimmelröllchen,
- Brie,
- Tilsiter,
- Bergkäse,
- Steinkäse u. v. m.

Neben den Käseköstlichkeiten hat sie auch Milch, Butter, Wurst, Fleisch und Ziegenschnaps anzubieten.


Heute hat sie es geschafft und ist am Kratzerhof daheim. Die Abnehmer ihrer Produkte sind überwiegend die Hotels im Stubaital. Kunden in ganz Österreich, Italien und Deutschland beliefert sie aber auch.

Im Sommer macht sie Führungen am Kratzerhof („Von der Ziege bis zum Käse“) und zeigt den interessierten Touristen einiges über Käseherstellung.


<b>Elisabeth Span in ihrem kleinen Laden auf dem Kratzerhof…</b>

<IMG src="http://bilder27.parsimony.net/forum66013/Liesel_Dateien/image002.jpg" alt="http://bilder27.parsimony.net/forum66013/Liesel_Dateien/image002.jpg[/link]


Diesmal nehme ich Käse für meine Bekannten und auch für <i>mich</i> und meine Familie mit.
Ich brauche noch Ziegenbutter als Aftershave. Bin allergisch gegen das Metall der Rasierer.
Versuche ein Stückchen. Kein Ziegengeschmack.

"Elisabeth - was ist dein Geheimnis, dass deine Produkte nicht diesen typischen scharfen Ziegengeschmack haben?"

"Sauberkeit ist das A und O bei der Herstellung. Die Euter werden mit einem speziellen Papier vor dem Melken abgerieben. Auf die ersten oft unreinen Milchspritzer wird verzichtet. Erst dann wird die Melkmaschine angesetzt. Von da an kommt die Milch bis zum Käse nicht mehr mit Schmutz in Kontakt.
Wichtig ist auch, dass der Bock nicht bei den Ziegen ist. Der stinkt sehr und sein Geruch überträgt sich auf die Ziegen und die Milch.“

"Im Stall hörte ich Musik. Da wurde gejodelt. Mag dein Mann solche Musik?"

"Das ist doch für die Ziegen. Sie geben dann mehr Milch, die Musik ist beruhigend für sie. Wir haben übrigens das Bio-Zertifikat. Unsere Tierhaltung ist absolut artgerecht. Wir lieben unsere Ziegen. Allerdings mussten wir letztes Jahr fast den ganzen Bestand zum Schlachter geben. Eine Krankheit (CAE) hatte die Tiere befallen. Das Fleisch konnten und durften wir verkaufen oder verwerten.
Das mit der Musik im Stall kennst du wohl von der Kuhhaltung her?"

"Ja. Benötigt ihr oft den Tierarzt?"

"Eher selten. Die nötigen Ziegenimpfungen und manchmal muss er bei schweren Geburten helfen".

"Hast du es manchmal bereut, deine Stellung in München aufgegeben zu haben und so anders zu leben?"

"Meinen Entschluss auszusteigen habe ich nie bereut. In München hatte ich keine frische Luft um mich. Und hier? Natur, Natur, Natur! Arbeiten muss ich viel und selten habe ich ein freies Wochenende. Aber ich bin hier glücklich und zufrieden. Ein anderer Mensch."

"Das kann ich nachempfinden. Mir stinkt es im wahrsten Sinne auch schon lange."

"Du willst ja auch umsteigen. Machen deine/euere Pläne Fortschritte?"

"Tirol ist sehr teuer und wir klappern alle Täler ab wegen einem passenden Grundstück, Alm oder Haus. Wir schreiben alle Gemeinden an, die in unseren Wunschzielgebieten liegen. Sprechen mit Bauern. Das Stubaital kommt für uns aber nicht in Betracht. Zu viele Touristen und mit der Bauwut reicht es. Ein Hotel nach dem anderen wurde aus dem Boden gestampft. Das Tal kenne ich gut 30 Jahre. Was wurde daraus gemacht? Skifahren auf dem Gletscher ist zu einem Renner geworden. Doch der geht immer weiter zurück und wird im Sommer mit Planen abgedeckt, um das Abschmelzen hinauszuzögern. Aber schön ist es hier trotzdem. Schöner als in München, Hamburg, Köln, Berlin, Hannover, Bremen oder Innsbruck.."

Dann sprechen wir über die EU-Bestimmungen. Die Milch, die zum Verkauf angeboten wird, soll pasteurisiert werden. Viele wichtige Nährstoffe gehen dabei verloren. Auf der Alm möchte ich frische Milch haben. Egal, ob nun von der Kuh oder von der Ziege…
Ich gerate in Fahrt: "Weltfremde Entscheidungen werden von Bürokraten und Beamten getroffen. Am grünen Tisch. Unser Geld wird für so manchen Blödsinn verschwendet. Ein Skandal! Man darf sich gar nicht vorstellen, womit sich diese Köpfe beschäftigen."

Schildkröten sind plötzlich Vögel! Es gibt eine EU-Richtlinie, in der abgehandelt wird, wie Vögel zu transportieren sind. Dann hat man das bei den Schildkröten nicht einfach wiederholt, sondern lapidar festgestellt: Schildkröten sind Vögel.
Oder dass Karotten dem Obst zuzurechnen ist, weil es in Portugal eine Möhrenmarmelade gibt.
Einsicht demonstrierte die EU-Kommission bei einer vor allem in Süddeutschland mit Entsetzen geführten Debatte über die Zulässigkeit von Dirndl-Ausschnitten wegen möglicher Gefahren durch Sonneneinstrahlung für Kellnerinnen in Biergärten. Aus der inzwischen als "Sonnenschein-Richtlinie" verspotteten Initiative wird die Brüsseler Behörde "den Schutz der Arbeitnehmer vor Sonneneinstrahlung" streichen.

"Ich werde die Milch jedenfalls nicht pasteurisieren. Da kämpfe ich im Verband und wenn es sein muss, gehe ich…und bis…"

"Genau! Wir Tiroler Franken wollen unseren Andreas Hofer wiederhaben. Jetzt haben wir schwer auf europäische Politik gemacht. Schimpfen ist befreiend und gesund."
*herzhaftes gemeinsames Lachen*


Mehr über Elisabeth und ihre Erzeugnisse:

www.members.aon.at/kratzerhof/


Die Ziegen auf dem Kratzerhof:
- (Tiroler) Gebirgsziege
- Weiße Saane
- Bock = Anglo-Nubier aus Afrika


<IMG src="http://bilder27.parsimony.net/forum66013/Liesel_Dateien/image004.jpg" alt="http://bilder27.parsimony.net/forum66013/Liesel_Dateien/image004.jpg[/link]


Von Herzen und eine schöne Woche

TigerAuge



PS.:
Ein Dankeschön von Herzen an:
- Peter, der meine / unsere Pläne unterstützt.
- Johannes, der die Beiträge perfekt ins Forum setzt.
- Maria Michaela, die mir von den "Pinzgauer Ziegen" erzählt hat (diese Rasse ist zäher aber gibt weniger Milch).
- Peer für so vieles.
- Yvonne, die mich bald zum Opa macht (31.08.2006 :))).
- Peter Stielicke, meinem Lektor, der andauernd anderer Meinung als ich ist (er versteht einfach meinen "Franko – Tiroler – Dialekt" nicht *gg*. Evtl. werden wir zusammen das neue Buch von Gerhard Schönauer im Eigenverlag auflegen.
- Helene für ihre Offenheit und vieles mehr. ;)
- Und viele, viele mehr…

Von ganzem Herzen danke ich besonders Barbara, der ich zuweilen ziemlich anstrengend und nervig bin.

Helene

17.05.2006, 15:31

@ TigerAuge

Ziegenschnaps ??? (owT)


Als Antwort auf: Die Goaßkasliesl (Die ZiegenKäseElisabeth) von TigerAuge am 15. Mai 2006 14:15:24:





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