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TigerAuge

08.07.2006, 23:05
 

Ein Toter erzählt vom Leben - Einleitung (Erfahrungsberichte)

<b>Ein Toter erzählt vom Leben</b>


Aloha

"Zurück in die Steinzeit" war vor einigen Wochen ein Beitrag von Bederich. Was weiß ich noch von und über die Steinzeit? Nicht viel!

Sie waren Selbstversorger.

Aber wie lebten sie und wie versorgten sie sich? Man sollte einen Zeitzeugen befragen. Unmöglich?

Der Zufall wollte es, dass wir im Oberland (Inntal) zu tun hatten. Auf dem Rückweg nach Innsbruck "klingelte" es plötzlich in mir. Ich hatte meinen Gesprächspartner, den Zeitzeugen "gefunden".



Darf ich vorstellen:

Etwa 45 bis 47 Jahre alt.
Zirka 160 cm groß.
Blaue Augen.
Gewicht um die 50 kg.
Schwarze Lunge.
Tätowiert.

Sein offizieller Name gemäß eines Beschlusses der Südtiroler Landesregierung vom

2. Juli 1997: "L'Uomo venuto dal ghiaccio" (Der Mann aus dem Eis).

Bekannter wohl unter dem Namen: ÖTZI !

Als Eismumie am 19.09.1991 in 3300m Höhe am Tisenjoch (Provinz Bozen)gefunden. Die Bergung erfolgte am 23.09.91 durch das Institut für Gerichtsmedizin in Innsbruck. Im Sommer 1992 erfolgen die archäologischen Ausgrabungen an der Fundstelle.

Die Radiocarbon-Datierung (C-14) ergibt für den Fundkomplex ein Alter von etwa 3300 v.Chr. Das entspricht der späten Jungsteinzeit in Europa.

Seine Kleidung bestand aus Schuhen. Beinkleidern, Lendenschurz, Mantel, Umhang und Mütze aus Pelz-, Leder- und Grasmaterial. Meist wurden Felle und Häute von Rothirsch, Bär, Ziege, Gämse und Rind verarbeitet.

Zu seinen Ausrüstungsgegenständen gehören Köcher, Pfeil und Bogen, ein Kupferbeil, Feuersteingeräte, Knochennadel, Geweihspitzen, Zunderstoff, Medizinschwamm, Birkenrindengefäße als Glutbehältnis, Gürteltasche und Holzrucksack.

Somit kann uns Ötzi etwas von einer Zeit berichten, die über 5300 Jahre zurückliegt.

Ich habe einige Parallelen zu unserer heutigen Zeit festgestellt (>;). Sind wir tatsächlich so weit von der Jungsteinzeit entfernt, wie wir es meinen? Woher kommen wir und wohin gehen wir?

Ötzi hat viele Fragen beantwortet und uns neue Rätsel aufgegeben.

Ich erspare es mir einen großen Umriss der Geschichte der Jungsteinzeit im Allgemeinen und hinsichtlich Ötzis im Besonderen zu geben. Dies würde auch den Rahmen in diesem Forum wohl sprengen.

Am Ende werde ich einige Info - Links anfügen.

Für Hinweise, Anregungen und Berichtigungen aller Art bin ich natürlich offen und letztlich auch dankbar.

Aber nun beginnt die Zeitreise. Zurück in die Zukunft?!

Von Herzen

TigerAuge

TigerAuge

08.07.2006, 23:09

@ TigerAuge

Re: Ein Toter erzählt vom Leben - Teil 1

[ kein Text ]
TigerAuge

08.07.2006, 23:22

@ TigerAuge

Re: Ein Toter erzählt vom Leben - Teil 2


Als Antwort auf: Re: Ein Toter erzählt vom Leben - Teil 1 von TigerAuge am 08. Juli 2006 23:09:45:


- - - Als H a n d w e r k

kannte man in der Jungsteinzeit das Korbflechten, den Gewichtswebstuhl, die Tonherstellung, und den Brotbackofen. Steinmetz und Holschnitzer nicht zu vergessen. Im späten Neolithikum kamen dann metallverarbeitende Berufe dazu. Mit dem erscheinen des Kupfers wurden Schmiede und Gießer zu gefragten Handwerkern.

<IMG src="http://www.forenbackup.de/forum66013/bilder/tigerauge/ein_toter_erzaehlt/bild_4.jpg" alt="http://www.forenbackup.de/forum66013/bilder/tigerauge/ein_toter_erzaehlt/bild_4.jpg[/link]

Der Brotbackofen bestand aus einem Geflecht aus Gräsern, Brennnesseln und Zweigen. Dieses Geflecht wurde mit Lehm innen und außen beschmiert.

In der großen Öffnung wurde Gefeuert und oben waren drei Kaminlöcher. War das Feuer abgebrannt wurden die Kamine mit Steinen verschlossen, die Asche unten entnommen und die Brote hineingelegt. Dort wurde es dann bei ca. 200 Grad gebacken. Die Hitze hielt sich entsprechend lange.

>Hinsichtlich dem Korbflechten hat sich seit der Jungsteinzeit nichts geändert.



- - - Die B a u t ä t i g k e i t

in der Jungsteinzeit nahm große und vielfältige Ausmaße an. Die bäuerlichen Siedlungen bestanden aus Häusern mit unterteilten Wohn-, Schlaf- und Arbeitsbereichen. Zusätzliche Einrichtungen wie Wirtschaftsgebäude, Scheunen, Ställe, Gehege und Kellergruben wurden erforderlich. Holz und Lehm waren die Hauptbaustoffe.

Man baute vorwiegend in Pfosten- und Ständertechnik, kleidete die Zwischenräume mit Strauchholz aus, dichtete die Wände mit Lehm ab und versah den Boden meist mit einer gestampften Lehmschicht (Estrich). Das Dach bedeckte man mit Holzschindeln, Schilf (je nach vorkommen) oder Halmen.

Im alpinen Bereich dürfte gegen Ende der Jungsteinzeit vermehrt der Blockbau auf Steinplattenunterlagen Verbreitung gefunden haben. Eine alpenländische Bauweise mit ungebrochener Kontinuität. Und nicht nur dort.

Nicht zu vergessen die Pfahlbaudörfer. Noch heute fragt man sich was die Siedler damals bewog Feuchtböden für ihren unmittelbaren Wohn- und Wirtschaftsbereich (verbunden mit einem ungeheuren technischen Aufwand) zu bebauen.

<IMG src="http://www.forenbackup.de/forum66013/bilder/tigerauge/ein_toter_erzaehlt/bild_5.jpg" alt="http://www.forenbackup.de/forum66013/bilder/tigerauge/ein_toter_erzaehlt/bild_5.jpg[/link]

<IMG src="http://www.forenbackup.de/forum66013/bilder/tigerauge/ein_toter_erzaehlt/bild_6.jpg" alt="http://www.forenbackup.de/forum66013/bilder/tigerauge/ein_toter_erzaehlt/bild_6.jpg[/link]







TigerAuge

08.07.2006, 23:29

@ TigerAuge

Re: Ein Toter erzählt vom Leben - Teil 3


Als Antwort auf: Re: Ein Toter erzählt vom Leben - Teil 2 von TigerAuge am 08. Juli 2006 23:22:28:


<IMG src="http://www.forenbackup.de/forum66013/bilder/tigerauge/ein_toter_erzaehlt/bild_7.jpg" alt="http://www.forenbackup.de/forum66013/bilder/tigerauge/ein_toter_erzaehlt/bild_7.jpg[/link]

Über die Inneneinrichtung weiß man relativ wenig. Es wird aber vermutet, dass eine Feuerstelle im Haus war. Daher auch die "schwarze" Lunge von Ötzi.

>Beim Blockhausbau hat sich seit der Jungsteinzeit nicht viel geändert.



- - - Hinsichtlich der R e l i g i on und dem K u l t

hatten die Völker des Neolithikums einen ausgeprägten Jenseinsglauben, wie schon in der Alt- und Mittelsteinzeit.

Die häufigste Art der Beisetzung bildet die Körperbestattung mit angewinkelten Beinen und Armen, die Hockerlage.

Dem Grab wurden Keramikgefäße mit Fleischbeigaben, Werkzeuge und Waffen, aber auch persönliche Schmuckgegenstände beigefügt. So war gesichert, dass die Toten in der "anderen" Welt weiterleben konnten.

Totenverbrennungen praktizierte man gelegentlich auch. Gerade das Fehlen von Gräbern im Bereich von Pfahlbausiedlungen könnte darauf hinweisen.

In den alpinen Regionen trifft man häufig auf Totengruben, die mit einem Steinkranz oder Steinplatten umgeben sind. Man bestattete aber auch in monumentalen Steinkammern. An den Giebelplatten derselben findet sich eine kreisrunde Öffnung - ein so genanntes Seelenloch - das wohl die Verbindung zwischen dem Jenseits und der Welt der Lebenden darstellen sollte.

Weibliche Idolplastiken aus Ton oder Stein sind eine besonders häufige Erscheinung in der Jungsteinzeit, die möglicherweise eine Matriarchat-Gesellschaft indiziert.



- - - Die M e d i z i n

bestand wohl überwiegend aus vielen natürlichen Mitteln, die man für therapeutische Zwecke einsetzen konnte. Kräuter, Schwämme etc.

Doch auch chirurgische Eingriffe sind für diese Zeit archäologisch belegt. Sogar Schädeloperationen.

An Ötzis Körper befinden sich genau an jenen Stellen Tätowierungen, die zu seinen Lebzeiten besonders stark beansprucht wurden und an denen er vermutlich Schmerzen hatte. Der Mann aus dem Eis hat sich mehrmals schmerzlindernden Behandlungen unterzogen.

Seine Tätowierungen waren also keine Symbole, sondern sie dienten primär der Schmerztherapie.

Erstaunlich ist, dass die tätowierten Bereiche am Körper von Ötzi mit den noch heute gültigen Hauptakupunkturlinien übereinstimmen.

>Möglicherweise haben wir es hier mit dem frühesten Zeugnis einer Akupunkturbehandlung zu tun. Bislang wurde angenommen, dass sich diese Heilkunst erst zwei Jahrtausende später im asiatischen Raum entwickelt hat.



~~~>



MEIN DENKEN NACH ÖTZI

Sind wir heute noch "Steinzeitmenschen" (Naturmenschen)?

Kommen wir nicht a u s der Natur?


Noch heute gibt es zum Glück "Naturvölker" und man hat inzwischen wohl begriffen, dass man diese nicht mehr "vergewaltigen" sollte und darf.


Vielleicht kommt der Tag - an dem wir von diesen "Steinzeitmenschen" lernen können und müssen!?

Vielleicht kommt der Tag - an dem wir wieder Menschen werden und sein dürfen!?

Vielleicht kommt der Tag - an dem wir erkennen, dass wir nur diese Erde haben!?


Vielleicht kommt aber auch der Tag - an dem es keine Menschen mehr gibt!!?


Aloha von Herzen

TigerAuge









MEIN DANK



Auf verschiedene Weise haben an diesem Bericht "letztlich" mitgewirkt":

Angelika, B a r b a r a, Bederich, Harm, Johannes, Karin, Matthias, Peer, Wolf-Peter, Yvonne und viele mehr.

- allen ein besonderer Dank von Herzen!









LINKS ZU ÖTZI UND MEHR



<A href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jungsteinzeit" target="_top[/link]http://de.wikipedia.org/wiki/Jungsteinzeit</A>



<A href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96tzi" target="_top[/link]http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96tzi</A>



<A href="http://www.landschaftsmuseum.de/seiten/lexikon/Neolithikum.htm" target="_top[/link]http://www.landschaftsmuseum.de/seiten/lexikon/Neolithikum.htm</A>



<A href="http://oetzi-dorf.com/deu/seite2.htm" target="_top[/link]http://oetzi-dorf.com/deu/seite2.htm</A>



<A href="http://www.folioverlag.com/autoren.php?id=A-9078" target="_top[/link]http://www.folioverlag.com/autoren.php?id=A-9078</A>



<A href="http://gpool.lfrz.at/gpool/main.cgi?rq=ed&etid=29&eid=64368&oid=699&th=1" target="_top[/link]http://gpool.lfrz.at/gpool/main.cgi?rq=ed&etid=29&eid=64368&oid=699&th=1</A>



<A href="http://www.hirngerbung.de/" target="_top[/link]http://www.hirngerbung.de/</A>



<A href="http://www.permakulturwerkstatt.net/" target="_top[/link]http://www.permakulturwerkstatt.net/</A>



<A href="http://ueberlebensschule-tirol.at/" target="_top[/link]http://ueberlebensschule-tirol.at/</A>



<A href="http://www.indian-reservation.com/" target="_top[/link]http://www.indian-reservation.com/</A>



<A href="http://www.matriarchat.net/" target="_top[/link]http://www.matriarchat.net/</A>



<A href="http://www.flight-toys.com/primitive.html" target="_top[/link]http://www.flight-toys.com/primitive.html</A>



<A href="http://www.tiroler-webkunst.at/" target="_top[/link]http://www.tiroler-webkunst.at/</A>



<A href="http://www.caretaker.cc/" target="_top[/link]http://www.caretaker.cc/</A>



Danke ((o:























andika

10.07.2006, 09:22

@ TigerAuge

Re: Ein Toter erzählt vom Leben - Teil 3


Als Antwort auf: Re: Ein Toter erzählt vom Leben - Teil 3 von TigerAuge am 08. Juli 2006 23:29:20:


Hallo TigerAuge,

vielen Dank für die Mühe, die Du Dir gemacht hast. Ist wirklich sehr interessant und Du hast recht, man kann doch einiges davon lernen. Werde mir Deine Beiträge mal abspeichern und demnächst mal genauer anschauen.

lg

andika


Ismael

12.07.2006, 13:46

@ TigerAuge

die edlen wilden - weder edel noch wild!


Als Antwort auf: Re: Ein Toter erzählt vom Leben - Teil 3 von TigerAuge am 08. Juli 2006 23:29:20:


hallo tigerauge,

das ist ja alles gut und schön, aber ein wenig entzieht sich mir, welche erkenntnis, außer daß auch schon die altvorderen irgendwie mit den unbillen des lebens fertig werden mußten, aus deinen ausführungen spricht?

ohne frage ist es schon interessant, welche techniken schon vor tausenden von jahren angewendet wurden und auch, welche techniken sich sogar bis heute bewährt haben, aber letztlich ist das geschichte!

es kann sicher nicht schaden sich damit zu beschäftigen, wie frühere generationen bestimmte probleme gelößt haben. wenn man sich mit autarkie beschäftigt kommt man mehr oder weniger automatisch an den punkt, wo man entweder abstriche bei der autarken lebensweise zugunsten moderner technik oder eben abstriche bei der technik zugunsten der autarkie machen muß!

steinzeitliche jäger konnten mit ihren bögen ihre beute mitunter durchschießen wobei jagdbögen mit 25-30lbs zugkraft beiweitem nicht die spitze des damals technisch machbaren waren. wer mal einen 70lbs eibenbogen geschossen hat wird aber wissen, warum diese geräte nicht für die jagd taugten! wer sucht schon gerne seine pfeile irgendwo hunderte meter weiter im unterholz, wenn der pfeil den schuß überhaupt einigermaßen unbeschadet überstanden hat! weniger ist oftmals mehr! was nutzt uns aber diese erkenntnis heute? ich weiß - jüngst fragte in einem anderen forum jemand ob man wohl eine kuh mit pfeil und bogen erlegen könnte! klar kann man das, aber das erscheint mir doch reichlich absurd! man schießt ja auch nicht mit einem maschinengewehr auf zootiere! eine kuh zu erschießen gehört nicht unbedingt zu den taten über die noch in generationen am lagerfeuer geschichten erzählt werden!

es ist okay, einen bogen anfertigen, ein blockhaus bauen oder einen luftschutzbunker nur mithilfe eines schweizer offiziersmessers aus einem stück schnitzen zu können. ich halte es aber für problematisch wenn man die altvorderen samt ihrer techniken zu hoch hängt!

die wahl wieder auf den bäumen zu leben haben wir nicht! mit steinzeitlichen techniken kann man sich in der not zwar behelfen, aber es wäre absurd moderne erkentnisse außen vor zu lassen! nichts ist automatisch dadurch besser, daß es alt ist!

wo immer menschen aufgetaucht sind taten sie alles um ihre umwelt nach ihren möglichkeiten zu zerstören. es ist zwar reichlich umstritten, ob unsere vorfahren direkt mit dem aussterben von mammut, wollnashorn oder höhlenbären zu tun hatten, ganz unschuldig werden sie daran allerdings wohl nicht gewesen sein, sei es nun, daß der druck durch bejagung zu groß wurde, oder die lebensräume zerstört wurden. das ende der eiszeit alleine kann es nicht gewesen sein, da auch heute noch gebiete gibt, in denen mammut und co durchaus leben könnten!

spätere generationen wurden in punkto umweltzerstörung natürlich bedeutend effizienter. die iberische halbinsel wurde z.b. ihrer wälder beraubt und die belastung des bodens mit schwermetallen läßt sich von den mittelalterlichen eisenhütten im harz bis weit nach schweden hinein nachweisen! wenn man genauer nachschaut wurde immer schon ziemlich rumgesaut, je nachdem was technisch möglich war! als die europäer australien erreichten hatten die aboriginies mittels mitgebrachter hunde die verwilderten (dingos) schon für eine beachtliche dezimierung der originären fauna gesorgt, was die europäer natürlich nicht daran hinderte der noch vorhandenen fauna mittels eingeführter arten nochmal eins obendrauf zu geben! jüngsten erkenntnissen zufolge starben auch die pferde in nordamerika erst nach der ankunft der menschen auf dem kontinent aus, allerdings sind pferde wohl schon vorher aus anderen gründen unter druck geraten. erstaunlicherweise konnten die pferde, die aus europa eingeführt wurden sich in amerika sehr schnell wieder ethablieren! es stellt sich also die frage ob der druck auf die spezies ohne den menschen tatsächlich auch zum aussterben der amerikanischen urwildpferde geführt hätte!

die edlen wilden sind so edel nicht, allerdings auch nicht wilder als unsereins! auf dem weg nach vorn schadet es sicher nicht, sich auch mal umzuschauen, aber vorsicht, der schein trügt nur zu oft!

ist dennoch ganz interessant was du zu berichten weißt und es schadet sicher nicht über alte techniken, alte kulturpflanzen und tierarten bescheid zu wissen! es kann schon sein daß in zukunft die eine oder andere alte technik eine renessaince erleben könnte. ich halte es aber für wichtig sich im klaren darüber zu sein, daß es sich dabei um eine weiterentwicklung handelt und nicht um einen schritt zurück! es geht auf keinen fall mehr zurück, der zug ist abgefahren! wenn sich eine sackgasse ergibt, dann muß man wohl oder übel umdrehen, aber die umstände sind andere als seinerzeit, da in die sackgasse abgebogen wurde!

Ismael


Armin

16.08.2006, 12:16

@ Ismael

Jagdbogen


Als Antwort auf: die edlen wilden - weder edel noch wild! von Ismael am 12. Juli 2006 13:46:20:


Hallo,
europäische steinzeitliche Jagdbögen (Kinder-Jugendbögen ausgenommen) hatten laut Fundlage eher 70 als 20 Pfund Zugkraft.

Siehe:
Junkmanns, Jürgen Pfeil und Bogen Herstellung und Gebrauch in der Jungsteinzeit

Grund: Grob gesagt schneidende Pfeile statt Giftpfeile.

Hunderte Meter entfernt im Unterholz suchen? Ist mir noch nicht passiert. Okay, mein 70-Pfund-Frühmittelalterbogen schießt locker einige 100 m weit, aber gejagt wird auf etwa 15 m Entfernung. Wenn Du nicht grad sehr ungünstig stehst, *kann* der Pfeil meist nicht einige 100 m weit. Vorher steckt er in einem Hindernis.

Außerdem trifft man mit *etwas* Übung auf diese Entfernung eine handtellergroße Fläche. Das Herz. Nicht daneben. Erst recht nicht ganz am Tier vorbei.

Wem das zuviel Aufwand ist, der nimmt eine Feuerwaffe.

Die Kriegsbögen waren meist noch stärker, eben weil weiter geschossen werden mußte als die jagdübliche Entfernung.

Gruß
Armin


TigerAuge

16.08.2006, 17:41

@ Armin

Re: Jagdbogen


Als Antwort auf: Jagdbogen von Armin am 16. August 2006 12:16:23:


>Hallo,
>europäische steinzeitliche Jagdbögen (Kinder-Jugendbögen ausgenommen) hatten laut Fundlage eher 70 als 20 Pfund Zugkraft.

Okay, mein 70-Pfund-Frühmittelalterbogen schießt locker einige 100 m weit, aber gejagt wird auf etwa 15 m Entfernung. Wenn Du nicht grad sehr ungünstig stehst, *kann* der Pfeil meist nicht einige 100 m weit. Vorher steckt er in einem Hindernis.
>Außerdem trifft man mit *etwas* Übung auf diese Entfernung eine handtellergroße Fläche. Das Herz. Nicht daneben. Erst recht nicht ganz am Tier vorbei.



Aloha Armin

Der Bogen von Ötzi hatte ein Gewicht von ca. 28 kg auf den Fingern. Dies sind etwa 61 ips (Erklärung: 1 ib = 0,453 Kg).
Mein Lehrer, Henry Bodnik, jagt mit einem 50 – 55 ips Bogen. Selber schaffe ich es auf ca. 40 ips.

Hier einige Links:

<A href="http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,1021790,00.html" target="_top[/link]http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,1021790,00.html</A>
<A href="http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Pfeil_Bogen-Oetzi.htm" target="_top[/link]http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Pfeil_Bogen-Oetzi.htm</A>
<A href="http://www.bogensport-bodnik.de/" target="_top[/link]http://www.bogensport-bodnik.de/</A>
<A href="http://www.fletchers-corner.de/" target="_top[/link]http://www.fletchers-corner.de/</A>

Und hier einige sehr interessante Filmchen zum Schußablauf:

<A href="http://www.wernerbeiter.com/de/produkte/videos/video.php" target="_top[/link]http://www.wernerbeiter.com/de/produkte/videos/video.php</A>


Mit "etwas" Übung? Dies scheint mir doch "etwas" übertrieben zu sein. ;-)
Ich meine, dass da Jahre vergehen können bis man in jeder Situation einen guten Treffer anbringen kann.
Bei einem Compoundbogen, bei dem man ziel, magst Du recht haben.
Ich gehe aber davon aus, dass Du das traditionelle Bogenschießen ("Schießen über das räumliche Blickfeld";) gemeint hast.


Von Herzen
TigerAuge


PS
Kann sein, dass das jetzt etwas off topic war ;)




Armin

16.08.2006, 18:06

@ TigerAuge

Re: Jagdbogen


Als Antwort auf: Re: Jagdbogen von TigerAuge am 16. August 2006 17:41:27:


Hallo,
>Der Bogen von Ötzi hatte ein Gewicht von ca. 28 kg auf den Fingern. Dies sind etwa 61 ips (Erklärung: 1 ib = 0,453 Kg).

Das beruhigt mich. Alles unter 60 Pfund hätte mich gewundert.

>Mein Lehrer, Henry Bodnik, jagt mit einem 50 – 55 ips Bogen. Selber schaffe ich es auf ca. 40 ips.

Bodnik? Nett!
Ich schieße einen Bodnik Reiterbogen 35 lbs und einen selbstgebauten Alamannen
mit 67 lbs.

Mit *etwas* Übung auf 15 m ist meine eigene Erfahrung mit dem Alamannen, als ich mal ein paar Tage am Stück immer wieder geübt habe. (Ich schieße nur ein paar mal im Jahr). In JEDER Situation triffst Du auch mit lebenslanger Erfahrung nicht.

Gruß und richte Herrn Bodnik bitte aus, daß sein 99-€-Reiterbogen ein super Teil ist. Jeder ist begeistert. Und seine Bergfichtenpfeile fliegen einer wie der andere.

Viel Spaß!

Armin



TigerAuge

16.08.2006, 19:40

@ Armin

Re: Jagdbogen


Als Antwort auf: Re: Jagdbogen von Armin am 16. August 2006 18:06:18:


>Hallo,
>>Der Bogen von Ötzi hatte ein Gewicht von ca. 28 kg auf den Fingern. Dies sind etwa 61 ips (Erklärung: 1 ib = 0,453 Kg).
>Das beruhigt mich. Alles unter 60 Pfund hätte mich gewundert.
>>Mein Lehrer, Henry Bodnik, jagt mit einem 50 – 55 ips Bogen. Selber schaffe ich es auf ca. 40 ips.
>Bodnik? Nett!
>Ich schieße einen Bodnik Reiterbogen 35 lbs und einen selbstgebauten Alamannen
>mit 67 lbs.

Aloha,
was Henry über den Reiterbogen sagt, dass behalte ich jetzt lieber für mich ;)
Aber für Kanutouren und dergleichen taugt er sicher. Er ist nahezu unverwüstlich.
Selber pfeile ich mit dem Kodiak.

>Mit *etwas* Übung auf 15 m ist meine eigene Erfahrung mit dem Alamannen, als ich mal ein paar Tage am Stück immer wieder geübt habe. (Ich schieße nur ein paar mal im Jahr). In JEDER Situation triffst Du auch mit lebenslanger Erfahrung nicht.

Klar. Es gibt ja auch noch so etwas wie eine Tagesform.
Henry kommt wegen seinem Geschäft etc. nur noch selten zum Üben. Und doch pfeilt er Dir aus 5m ein 2 € - Stück aus den Fingern. Und die sind dann noch an deiner Hand (die Finger meine ich ;)

>Gruß und richte Herrn Bodnik bitte aus, daß sein 99-€-Reiterbogen ein super Teil ist. Jeder ist begeistert. Und seine Bergfichtenpfeile fliegen einer wie der andere.

Werde ich bestellen, wenn er nur einen Armin kennt ;)
Wusstest Du, dass die rechte Gehirnhälfte beim Bogenschießen geschult wird. Also die "weibliche" Seite?

>Viel Spaß!
Dir auch

Von Herzen
TigerAuge



quink

16.08.2006, 22:01

@ Armin

Re: Jagdbogen


Als Antwort auf: Re: Jagdbogen von Armin am 16. August 2006 18:06:18:


>einen selbstgebauten Alamannen mit 67 lbs.

Hast du da sowas wie ne Bauanleitung ?



Armin

17.08.2006, 23:12

@ quink

Jagdbogen selbst bauen


Als Antwort auf: Re: Jagdbogen von quink am 16. August 2006 22:01:47:


Hallo,
>>einen selbstgebauten Alamannen mit 67 lbs.
>Hast du da sowas wie ne Bauanleitung ?

Ich habe den Bogen in einem Bogenbauseminar gebaut, beim Archäologen Jürgen Junkmanns in Solingen. www.pfeil-bogen.de
2 Tage, 165 Euro incl. Material (Hickory, Eibe gegen Aufpreis). Kann's nur empfehlen, Jürgen hilft gern und gut, aber nur das nötigste, so daß alle TeilnehmerInnen einen SELBST gebauten Bogen heimnehmen konnten. Alle 12-15 Bögen wurden gut, manche schwerer als geplant, einer leichter, die meisten fast genau wie gewünscht. Achtung: Miß schon im Seminar bei DEINER Auszugslänge, wie schwer der Bogen werden soll. Jürgen mißt bei 28"

Der Alamanne ist ein Kriegs/Jagdbogen, also eher robust, wirft aber recht weich ab und verblüffend schnell trotz der schweren Enden. Das Original (alamannisches Grab bei Oberflacht) hatte etwa 100 Pfund.

Für die Jagd würde ich im Seminar den Mittelsteinzeitbogen bauen.

Falls Du es ohne Seminar machen willst/mußt:

"Das Bogenbauer-Buch" von F. Alrune hat den Ruf, daß man es damit schaffen kann.
Ich würde aber auf jeden Fall vorher/währenddessen/statt dessen ins Forum "Fletchers-Corner" schauen www.fletchers-corner.de
Die Leute dort sind super hilfsbereit und haben schon aus Fichtenbrettern vom Baumarkt gute Bögen gebaut. Einfach weil's geht :-)

Es gibt noch andere Bogenbauseminare, über die ich nix sagen kann. Ich habe eine Alamannen gebraucht und daher...

Viel Erfolg
Gruß
Armin


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