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Armin

16.10.2006, 12:17
 

Warenwelt und Überfluß, Dienstleistungsgesellschaft und Selbstmord (Erfahrungsberichte)

Hallo Forum,
wir leben ja bekanntlich in einer Konsumgesellschaft, in der wir von allen Seiten mit vielfältigsten Angeboten bombardiert werden. Wenn ich aber was bestimmtes brauche, dann heißt es selbst im "Fachgeschäft": Müssen wir bestellen. Tja, bestellen kann ich selbst...

Ich hab's eben erst beim Dachträger bemerkt. Ich habe ja keinen bestimmten Träger gesucht, sondern etwas zum auf eine vorhandene Dachreling klemmen. Wie es auf Millionen Autos paßt. Müssen wir bestellen. Tja, Pech gehabt. Klingen für die Motorsense - Pech gehabt. 2 Minuten später bei ebay gekauft.

Nun suche ich Solarzellen für die autarke Stromversorgung - wenn ich bereit bin, nach einer unbekannten Frist ein paar Solarmodule unbekannter Herkunft mit eventuelle gefälschten Zertifikaten für ein SCHWEINEgeld zu kaufen, ließe sich eventuell was machen. Ich hatte wahrscheinlioch Glück, daß der Verkäufer ohne Schmiergeld erwägt, tätig zu werden...

Der beste Händler, von dem ich weiß, schrieb immerhin treuherzig:
"ES IST SCHÖN, AUCH MAL KUNDEN ZU HABEN, DIE KNAPP UND DEUTLICH ANFRAGEN UND
DANN AUCH GENAUSO BESTELLEN. WENN ALLE SO WÄREN, HÄTTEN WIR WIEDER SEHR VIEL
MEHR ZEIT, UM AUCH ANDERE BERATEN ZU KÖNNEN! GANZ HERZLICHEN DANK."

Ich hatte einen Ofen, eine Komposttoilette und etwa 40 Kubik Dämmstoff bei ihnen gekauft. Deshalb diese Antwort, die ich erst beim 3. Durchlesen verstanden habe:

Übersetzung: "Selbst bei unseren guten Kunden haben wir nicht genug Zeit für Beratung."

Immerhin klare Worte.

Unser Bauholz sägen wir jetzt zum Teil selbst, das ist immer noch besser als mies getrocknetes sibirisches Kahlschlagholz, das schon wegen dem Transport (Plastiktüte drum) mit Fungizid behandelt sein muß. Neulich im Baumarkt bekam ich fast eine Herzattacke beim Anblick der vorrätigen Holzlatten - ich wußte gar nicht, daß solche Qualitäten in den Handel statt den Ofen wandern.

Was mache ich im Baumarkt? Ganz einfach, der Schreiner/Zimmerer/Sägewerker/Fachhändler muß immer erst "bestellen", im Baumarkt haben sie wenigstens was lagerhaltig.

Dachlatten-sieht grad ganz schlecht aus. Bretter - die Chinesen kaufen alles weg. Komisch, die Ausrede kenne ich schon vom Stahl her. Wurden nicht erst neulich Stahlwerke in Deutschland mangels Nachfrage dichtgemacht und nach China verkauft?

Da sitzen sie also alle auf ihren absteigenden Ästen und sägen und sägen und sägen...

Es ist nicht so, daß ich alles unbedingt selbst machen muß - ich LIEBE Arbeitsteilung. Nur versuchen so viele Hersteller/Dienstleister, sich in der Qualität zu unterbieten.

Die Preise allerdings ... wie sagte neulich ein Sanitärinstallateur:

"Wenn ein Kunde nach dem Preis für ein bestimmtes Bauteil fragt und ich habe nur den alten Großhandels-DM-Preis im Kopf, schlage ich 15% drauf und hänge ein Eurozeichen dahinter, dann habe ich etwa meinen neuen Einkaufspreis und kann den Endkundenpreis ziemlich genau schätzen."

Wenn wenigstens DAS funktioniert. Meine Eltern haben vor einer guten Woche einen neuen Heizkessel bekommen und seither kein Warmwasser mehr. Der Installateur war schon 3x da, und das ist sonst ein guter Laden...

Zum Glück baue ich die selbst zusammengestellte Heizungs selbst ein, schlimmer kanns nicht werden.

"Deutscher" Rasenmäher (made in China): "Vor jeder Benutzung sind alle (!) Schrauben zu kontrollieren und nachzuziehen."
Als ich nach der 6. Benutzung schon ein Teil verloren habe, hatte ich natürlich keinen Anspruch auf kostenlose Reparatur (ich habe zuerst in den Bedingungen nachgeschaut und mir so eine nutzlose Fahrt und eine Anklage wegen Körperverletzung erspart).

Meine Gartennachbarin hat recht wenig Probleme mit ihrem Mäher, seit sie ihn jedes Jahr 1x zur Wartung bringt. Man stelle sich das mal beim Auto vor: Alle 20 - 30 Betriebsstunden zur Wartung und alles ist OK...

*seufz*

Die restlichen tausend abschreckenden Beispiele erspare ich euch.

Vielleicht habt ihr ähnliches erlebt. Ihr dürft mich gerne erheitern, wenns mich nicht selbst betrifft kann ich herzlich lachen :-)

Gruß
Armin

Der Husky

16.10.2006, 22:00

@ Armin

Re: Warenwelt und Überfluß, Dienstleistungsgesellschaft und Selbstmord


Als Antwort auf: Warenwelt und Überfluß, Dienstleistungsgesellschaft und Selbstmord von Armin am 16. Oktober 2006 12:17:58:


>Hallo Forum,

Meine 1995 eingebaute Wärmepumpe geht min.alle 3 Jahre kaputt. Der Techniker meinte bei der letzten Reparatur:

Was bis 1995 neu war, wurde spätestens 2000 das 1.Mal repariert;
Was 2006 neu war, wurde nach einem halben Jahr rep. ODER funktionierte überhaupt nicht. Wie z.Bsp. chin.Klimaanlagen ,weil die Dukumentation nur in chinesisch zu lesen war.


Und ich meine ...Es wird noch "besser" !


Der Husky!


X

17.10.2006, 02:02

@ Der Husky

Re: Warenwelt und Überfluß, Dienstleistungsgesellschaft und Selbstmord


Als Antwort auf: Re: Warenwelt und Überfluß, Dienstleistungsgesellschaft und Selbstmord von Der Husky am 16. Oktober 2006 22:00:00:


>>Hallo Forum,
>Meine 1995 eingebaute Wärmepumpe geht min.alle 3 Jahre kaputt.

Meine ist schon uralt.
Ist ein Kältekompressor mit Keiriemenantrieb. Läuft also langsan, was die Lebensdauer verlängert.


Helene

17.10.2006, 10:36

@ Armin

Re: Warenwelt und Überfluß, Dienstleistungsgesellschaft und Selbstmord


Als Antwort auf: Warenwelt und Überfluß, Dienstleistungsgesellschaft und Selbstmord von Armin am 16. Oktober 2006 12:17:58:


Ja, vorbei sind die Zeiten, als in der Eisenhandlung der Verkäufer - ein älterer Herr mit Brille und grauem Arbeitsmantel - aus einem der hunderten Holzlädchen Schrauben und Schräubchen in den aberwitzigsten Dimensionen hervorzaubern konnte. Diese Geschäfte gibt es nicht mehr - wir haben Mega-, Giga- und bald auch Terabaumärkte, in jedem das selbe Sortiment des einzigen verbliebenen Herstellers (Tawa spekuliert damit an der Börse (?)). Was der nicht produziert, gibt es nicht (mehr) - wir haben gefälligst das zu brauchen, was dieser Quasi-Monopolist bestimmt.

Was die Qualität der Produkte betrifft, so sind es wir selbst (die "Konsumenten";), die am eigenen Ast sägen. Zuerst waren da die Schnäppchenjäger, dann haben die Firmen ihre Produktion nach Südostasien verlegt, wo man die Arbeitskräfte ausbeuten kann, und keiner Vorschriften zum Umweltschutz macht, und jetzt gibt es hierzulande immer mehr Arbeitslose und "Working Poor", die sich nur noch das Billigste leisten KÖNNEN. Und die Lohn/Preisspirale dreht sich und dreht sich ...

Wo das hinführen wird? Keine Ahnung - aber ich hoffe doch, dass das Pendel auch wieder zurückschlagen wird, und sich echte Qualitätsprodukte eine Marktnische erobern können - ich denke, dass eine gewisse Nachfrage durchaus vorhanden wäre!

Es gab mal den alten Spruch "Wer billig kauft, kauft teuer", heute ist das aber leider nur noch ein Teil der Wahrheit, denn die meisten sogenannten "Markenprodukte" sind der gleiche Schmarrn wie der Billigramsch - warum also mehr zahlen? Ich für meinen Teil bin jedenfalls bereit, für ECHTE QUALITÄT auch einen angemessenen Preis zu zahlen.

lG Helene




Armin

17.10.2006, 13:55

@ Helene

was war zuerst...


Als Antwort auf: Re: Warenwelt und Überfluß, Dienstleistungsgesellschaft und Selbstmord von Helene am 17. Oktober 2006 10:36:28:


Hallo Helene,

>Was die Qualität der Produkte betrifft, so sind es wir selbst (die "Konsumenten";), die am eigenen Ast sägen. Zuerst waren da die Schnäppchenjäger, dann haben die Firmen ihre Produktion nach Südostasien verlegt, wo man die Arbeitskräfte ausbeuten kann, und keiner Vorschriften zum Umweltschutz macht, und jetzt gibt es hierzulande immer mehr Arbeitslose und "Working Poor", die sich nur noch das Billigste leisten KÖNNEN. Und die Lohn/Preisspirale dreht sich und dreht sich ...

Ich kann mich erinnern als es noch eher unfein war, zum ALDI zu gehen, als die Leute noch stolz ihre deutschen Markenprodukte den Importwaren vorzogen ... ist gar nicht lange her.

Und schon damals haben die Firmen angefangen, ihre Belegschaft in erster Linie als Kostenfaktor zu sehen - zumindest haben sie das so nach außen vertreten (man fragt sich, wieso sie die Leute überhaupt erst eingestellt haben? Managementfehler wahrscheinlich *fg*).

Nein, ich fürchte, die weitgereisten Trendsetter in den Chefetagen haben schneller bemerkt, woher der Wind weht. Die Gehälter (unterhalb der Vorstandsetage) haben schon seit den 80ern nicht mehr mit der Inflation Schritt gehalten.

Vielleicht sind die Produktivitätsfortschritte nur in den oberen Etagen angefallen ;-)

Kurzum - meiner Beobachtung nach kam die Ramsch/Outsource/etc.-Offensive von oben nach unten. Das paßt auch zum Weltbild der Chefetage: Vorausdenker, Strategen, etc. müssen schneller sein, sonst sind sie tot.

Was Qualität angeht: Zum Glück gibts Manufactum. Die sind nicht technik- oder fortschrittsfeindlich, sie testen sogar Outsourcing (lohnte für sie nicht), tolle Faxanlagen der Telekom (mehrmals tausende Bestellungen verschütt'), der Chef hat eine vollautomatische Heizungssteuerung zuhause (und die Monteure als ratlose Dauergäste) und fährt einen "rollenden Technikbaukasten" (7er BMW, tippe ich - ständig defekte Elektronik).

Die Texte, die man als Kunde zugeschickt bekommt ("Hausnachrichten", auch auf der Homepage archiviert), gehören zum besten, was ich im Jahr so zu lesen bekommen - neben brand eins u.a. :-)

Gruß
Armin


Weitblicker

17.10.2006, 18:28

@ Armin

sehr schön beschrieben! kwT (owT)


Als Antwort auf: Warenwelt und Überfluß, Dienstleistungsgesellschaft und Selbstmord von Armin am 16. Oktober 2006 12:17:58:





Inge

17.10.2006, 19:48

@ Armin

Re: was war zuerst...


Als Antwort auf: was war zuerst... von Armin am 17. Oktober 2006 13:55:39:


<i>Was Qualität angeht: Zum Glück gibts Manufactum. ... Die Texte, die man als Kunde zugeschickt bekommt ("Hausnachrichten", auch auf der Homepage archiviert), gehören zum besten, was ich im Jahr so zu lesen bekommen </i>

kann ich voll und ganz bestätigen!

Grüße
Inge


Wesemichshof

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