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Clemens(R)

10.01.2011, 16:56
 

Windkraft (Energieversorgung)

Hallo,

nachdem unsere PV-Anlage gerade in Betrieb gegangen ist (Link), mache ich mir schon die ersten Gedanken über eine Ergänzung mit Windkraft.

Die ersten Zahlen sind relativ ernüchternd, ich habe einfach mal die Empfehlungen und Preise der Seite wind-mobil.de zu Grunde gelegt (früher hieß die Seite wohl "solarteam-hacker.de" ).

Als realistische Leistung wird dort genannt:

> Leistung: Das FLIP 150 und das AIR BREEZE erzeugen im Jahr 100 - 350 Kilowatt-
> stunden, das FLIP 500 300 - 800 kWh, die WHISPER 100 400 - 1500 kWh im Jahr an
> Energie, je nach Standort.
> Bitte fallen Sie nicht auf die Phantasieleistungsangaben einiger Windradhändler
> herein, die ein Vielfaches an Energieausbeute versprechen, als der Wind über-
> haupt an Energie enthält!

(Link, Preisliste)

Am besten würde sich demnach das "Whisper 100" eignen und zwischen 84,00 und 315,00 Euro je Jahr an Strom einsparen - im Mittel also etwa 200,00 Euro/Jahr bei einem Preis von 3.500,00 Euro (Anlage inkl. Netzeinspeisung, zzgl. Mast/Aufbau).

Welche Erfahrungen, Idee oder Vorschläge habt Ihr?

Viele Grüße

Clemens

---
Altes Brot ist nicht hart - kein Brot, das ist hart

case(R)

NRW,
12.01.2011, 02:26

@ Clemens

Windkraft

Hi Clemens,

nur kurz:

erst mal vorab: ich hab null praktische Erfahrungen, hab mich aber in der Theorie schon mit dem Thema auseinandergesetzt. Grundsätzlich ist Windenergie interessant - aus der Perspektive eines Konzerns, der grosse Windräder bauen kann - Windkraft kann unter günstigen Umständen das zweieinhalb bis vierfache an Strom liefern wie Photovoltaik.

Vielleicht auch noch aus der Perspektive eines Privatmanns, der in einer sehr windreichen Gegend und weit ausserhalb (einer geschlossenen Ortschaft) lebt.

Unter unseren (Deinen und meinen) Bedingungen lohnt es sich m.E. unter kommerziellen bzw. ökonomischen Aspekten NICHT.

Es lohnt sich aber sicherlich im Hinblick auf praktischen Erfahrungsgewinn und um diesen Bereich auch mal abgedeckt und erprobt zu haben, aber dann als Selbstbauprojekt und daher möchte ich auch irgendwann mal ein Windrad bauen. Hab letztes Jahr auch schon mit zwei Freunden ein bischen rumexperimentiert und wir haben auch schon eine Fahradlampenbirne erfolgreich zum leuchten gebracht ;)

» Die ersten Zahlen sind relativ ernüchternd, ich habe einfach mal die
» Empfehlungen und Preise der Seite
» wind-mobil.de zu Grunde gelegt
» (früher hieß die Seite wohl "solarteam-hacker.de" ).
»
» Als realistische Leistung wird dort genannt:
»
» [i]> Leistung: Das FLIP 150 und das AIR BREEZE erzeugen im Jahr 100 - 350
» Kilowatt-
» > stunden, das FLIP 500 300 - 800 kWh, die WHISPER 100 400 - 1500 kWh im
» Jahr an
» > Energie, je nach Standort.

Der Knackpunkt ist, in dem link wird eine Windgeschwindigkeit von 12.5 m/s genannt. Frag Dich mal selbst, wieviel Tage es im Jahr gibt, wo Dachziegel vom Dach gefegt werden und armdicke Äste vom Baum abgebrochen werden. Ich würde schätzen, bei uns sind das max. 10 Tage im Jahr, wenn überhaupt.

» Am besten würde sich demnach das "Whisper 100" eignen und zwischen 84,00
» und 315,00 Euro je Jahr an Strom einsparen - im Mittel also etwa 200,00
» Euro/Jahr bei einem Preis von 3.500,00 Euro (Anlage inkl. Netzeinspeisung,
» zzgl. Mast/Aufbau).

3500,- EUR ist no go ;) Du kriegst was Besseres oder min. genausogutes für einen Bruchteil des Geldes selbst gebaut. Rotorblätter kannst Du, wenn Du Dir nicht die Mühe machen willst, die aus Holz zu schnitzen, günstig aus Plastikrohren aus dem Baumarkt raussägen und als Generator eignen sich alle möglichen Elektromotoren mit niedriger Umdrehungszahl, bzw. solche die bereits bei niedrigen Umdrehungszahlen Strom liefern, also quasi das Gegenteil einer Autolichtmaschine, die erzeugt erst bei hohen Umdrehungszahlen einen Strom, dann allerdings auch relativ viel. Was wir brauchen ist aber ein Windrad, was schon bei relativ niedrigen Windgeschwindigkeiten von etwa 3 bis 4 m/s Strom ausspuckt, also einen sogenannten Langsamläufer. Geeignete Motoren/Generatoren dafür finden man in manchen alten Waschmaschinen - und wie es der Zufall so will hat neulich unsere ca. 50 Jahre alte Waschmaschine den Geist aufgegeben und ich freue mich schon sehr darauf, das gute Stück auszuschlachten und hoffe, der Motor passt. Einfacher Test: Voltmeter an den Stecker anklemmen und von Hand die Trommel ein paarmal rumdrehen und schauen, ob schon etwas Strom geliefert wird.

Dieses (theoretische) Wissen habe ich übrigens aus "Einfälle statt Abfälle" Heft 4, (http://www.einfaelle-statt-abfaelle.de/index.php?details=on&title=6#Windkraftesa02) welches ich nebst diversen anderen Heften aus dieser Reihe besitze und sehr empfehlen kann, und sei es auch nur um ein paar Einblicke in die Grundlagen zu gewinnen.

Aber nochmal zurück zu Deinem Berechnungsbeispiel.

Wenn Dein Windrad im Jahresmittel 200,- EUR einsparen soll müsste es im Jahr rund 900 Kwh Strom erzeugen. Hier ein Link, wo jemand über mehrere Jahre den Ertrag eines kommerziellen Kleinwindrades gemessen hat.

http://home.arcor.de/wewima-windtechnik/html/ertrag.html

Das sind rund 109 Kwh Ertrag pro Jahr, was heisst, das sich bei 3500,- EUR Dein Windrad in ca. 145 Jahren amortisieren würde.

Ich weiss zwar nicht, in was für einer Gegend der lebt, aber der hat einen Mast von immerhin 10m Höhe. Die Masthöhe ist ein kritischer Faktor. Wenn Du im Garten einen Mast von 20 bis 50m Höhe aufstellen kannst könnte sich die Sache durchaus lohnen. Aber das kannst Du in einem bewohnten Gebiet einigermassen vergessen. Ich weiss nicht genau welche Regelungen es für unser Gebiet gibt bzw. ob es dafür überhaupt schon konkrete Regelungen für Kleinwindräder im Garten gibt. Grundsätzlich sieht es so aus, das diese Sache bislang noch nicht einheitlich geregelt ist und der jeweils lokalen Behördenwillkür unterliegt. Aber ich würde so Pi mal Daumen schätzen, dass Du mit einer Masthöhe von bis zu 6m im relativ unkritischen Bereich liegst und dafür auch keine Genehmigungen einholen musst, alles was darüber hinaus geht kann Ärger mitm Amt bedeuten. Aber das ist wie gesagt nur meine persönliche Einschätzung der Lage. Theoretisch könnte man diesbezüglich ja mal nachfragen, was erlaubt ist, aber da dieser Bereich (Kleinwindrad im Garten) noch nicht flächendeckend reglementiert ist kann allein schon die Nachfrage bedeuten, schlafende Hunde zu wecken. Wenn ich raten sollte würde ich tippen, dass das Amt die Sache davon abhängig macht, ob Du in einem für die Errichtung von Windkraftanlagen ausgewiesenen Gebiet lebst und das ist bei einem Wohngebiet mit Sicherheit nicht der Fall.

OK, soweit dies. Sollte es mir bis hierhin noch nicht gelungen sein, Dich soweit zu desillusionieren ;) dass Du den Gedanken verwirfst, das als kommerzielles (= Netzeinspeisung) Projekt betreiben zu wollen, wovon ich nur wärmstens abrate, dann kannst Du Dir ja noch diesen Link hier anschauen,

http://www.quietrevolution.com/de/

den fand ich in diesem Zusammenhang mal ganz interessant, allerdings habe ich nicht die leiseste Ahnung, ob es sich hier nicht auch wieder um unhaltbare Herstellerversprechungen handelt, die Angabe ist also ohne Gewähr.

Für mich ist dieser Link nur deswegen interessant, weil Windräder vom Typ Savonius und Darrieus ( = Vertikal-Achser) zum einen Langsamläufer sind und zum anderen, obwohl sie grundsätzlich und bauartbedingt weniger Ertrag bringen als ein Windrad mit horizontaler Achse insbesondere in Bodennähe und bei wechselnden Windrichtungen (was besonders in Bodennähe und stark bebautem Gebiet, also so wie bei uns der Fall ist) besonders punkten. Das könnte also ev. die fehlende starke Windgeschgeschwindigkeit respektive die fehlende Masthöhe etwas kompensieren helfen.

Ich sehe das aber insgesamt und für mich als eine Art Selbstbauprojekt für Fortgeschrittene an, d.h., ehe ich mich an sowas ranwagen würde, würde ich erstmal ein "normales" Windrad bauen, ohne grosse Hoffnung auf einen gigantischen oder nennenswerten Ertrag, aber als interessante Ergänzung zur Photovoltaik in der kalten und sonnenarmen Jahreszeit, mich dann über einen "normalen" Vertikal-Achser, also einen klassischen Savonius oder Darrieus, langsam vortasten zu sowas wie dem QuietRevolution. Obwohl ich derzeit null Ahnung habe, wie man sowas als Eigenbau realisieren könnte, das wird/würde vermutlich ein wildes Geschmiere mit Fiberglas und/oder Carbon-Matten, aber ein gekauftes Teil ist jedenfalls für mich wie gesagt no-go, insbesondere unter dem Aspekt, dass ich nicht glaube, damit die Amortisierung noch zu Lebzeiten erfahren zu können.

Ok, soweit dies.

Zum Abschluss noch ein Link, den ich als DIE relevante Internetadresse in Sachen Kleinwindräder erachte:

http://www.kleinwindanlagen.de/

Gruss, Case

Autarkie-Oldie(R)

22.02.2015, 12:27
(editiert von Autarkie-Oldie, 22.02.2015, 13:58)

@ case

Windkraft

Die vorstehenden Angaben sind alle grundsätzlich nicht ganz unrichtig, vermitteln jedoch im Detail dann ein falsches Bild:

Im Gegensatz zu einem halbwegs vernünftigen Solarmodul hält KEIN Windrad, dass was es verspricht!

Während man, bis auf jährliche Wetterschwankungen und ganz besondere Klein-Klimata, Solarerträge für jede Region der Welt ermitteln und damit vertrauensvoll rechnen kann, gehrt das beim Windgenerator leider überhaupt nicht!

Selbst wenn es in der Umgebung ständig ordentlich (und nicht nur subjektiv) pfeift, kommt es ganz alleine auf Dessen ganz genauen Standpunkt an. Wird der verschattet oder gar verwirbelt - ist der Ertrag knapp über Null! Von hunderten von kWh im Jahr zu sprechen, ist völlig unrealistisch - außer direkt an der Küste auf einem hohen Mast.

Schwachwinde, u.s.w. bringen nix - egal wie doll sich das Rädchen dreht!

Mit jedem Hunderter, den man in ein Windrad investiert, kann man nicht nur das Dreifache an Solarleistung installieren, sondern mindestens das Zehnfache an Ertrag herausholen. Und das zig Jahre lang. Ein wirklich im Wind stehender Generator, ist früher oder später "ausgebrannt"... - erlebt in aller Regel seine Amortisation weder energetisch, noch ökonomisch.

Selbstbau klingt toll, aber niemand schafft es, mit ein paar Brettern, schrauben und Lichtmaschinen, die Energie des Windes wirklich einzufangen und zu übertragen. In aller Regel fliegt das Ding einem knatternd um die Ohren. Das ist tausendfach probiert und erlebt worden und das muss im 21. Jahrhundert niemand mehr nachmachen.

Gar manch in der Presse umjubelte Firma, wie z.B. die vom Jugendforscht-Sieger, musste bald feststellen, dass es so einfach nicht geht. Verloren hat die Umwelt, wegen der Ressourcen-Verschwendung und die Käufer wegen in den Wind verwehten Geldscheinen.

Der KLEIN-Windrad-Bereich (bis ca. 2 kW) bringt nur in der Autarkie etwas = Laden und Unterstützen einer Solarbatterie in einer autarken Solarstrom-Inselanlage. Ich selbst stellte mir das 1997 auch erst einmal einfacher vor, aber mittlerweile weiß ich es leider sehr viel besser. Da ich so kritisch damit umgehe, verkaufen wir nur noch sehr selten ein Windrad und bekamen von einigen Herstellern mittlerweile untersagt, deren Modelle anzubieten. 3 x dürft Ihr raten, warum...

Details zu Klein-Windrädern


Mein Eigenes:

[image]

Autarkie-Oldie(R)

13.03.2015, 10:26

@ Autarkie-Oldie

Windkraft

Und wieder fühlen sich "gierige" Menschen, die es nicht besser wissen wollten, betrogen - weil ein Windrad-Hersteller pleite ging:

http://www.freiepresse.de/WIRTSCHAFT/WIRTSCHAFT-REGIONAL/Windanlagen-Bauer-insolvent-Kaeufer-zittern-um-Tausende-Euro-artikel9129989.php


Ich habe diese Leute tagtäglich am Telefon. Frage dann, "haben Sie unsere Infos gelsen und verstanden?".

"Ja, ja, aber da gibt es doch jetzt diese neue Technik,... blablabla".

Nach spätestens 20 Minuten beenden wir dann meist diese, nicht fruchtenden, Gespräche und die Leute kaufen dann den Sondermüll dennoch und irgendwann wundern sie sich...

Und es fällt dabei auf, dass die Windei-Käufer ganz oft aus dem Osten kommen und "Energie" nicht im geringsten begreifen. kW oder kWh sind Fremdwörter, der Strom einer LED-Lampe wird Dem eines Heizstabes gleichgesetzt...


http://www.oeko-energie.de/shop1/index.php?cat=c32_Windkraft-Windraeder.html&XTCsid=b237257af009cf1be3a1c3b0b1480147

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