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Clemens(R)

01.03.2015, 22:08
 

Energiebedarf (Energieversorgung)

Hallo Armin und Autarkie-Oldie,

da Ihr von Eurem geringen Energiebedarf geschwärmt habt, habe ich mal unseren Bedarf aufgeschrieben.

Hintergrund: Altes Fachwerkhaus, ca. 200 m2, 1995 komplett renoviert (eher: Neuaufbau). Gute Fenster, aber durch irgendwelche Ritzen zieht es immer.

Der Eingangsteil des Hauses (früher Kuhstall) wird vom Onkel meiner Frau bewohnt, der hintere und der obere Teil von uns. Im Untergeschoß hihe Decken.

Heizung: Der Onkel mit Gas (immer volle Hitze, Tür zur großen Diele immer offen, Tür zum Hof meist offen :-( - werden wir wohl nicht ändern können).
Wir heizen hauptsächlich mit einem Grundofen, der in eine Lehmtreppe eingebaut ist. Holzbedarf in den letzten Wochen meist gut 20 kg (jetzt etwas weniger), also etwa 90 kWh/Tag. Gas von allen zum Duschen, außerdem von den drei Kindern im Obergeschoß sowie bei Bedarf im Bad

Strom: Der alte Fernseher des Onkels läuft 10-14 Stunden. Schlechtes Bild, zuviel Stromverbrauch, aber "er geht ja noch" (obwohl er sich einen neuen leisten könnte). Heizung läuft über unseren Zähler, unser Tiefkühlschrank über seinen Zähler. Meine Frau kocht viel.

[image]

Hinweis zur Grafik: Die ersten drei Wochen habe ich nur den hauptzähler abgelesen (= Gesamtverbrauch), danach auch den Zwischenzähler des Onkel.

Gut zu sehen ist der hohe Strombedarf, als die beiden älteren Kinder Anfang des Jahres auch da waren, später erkennt man an den Spitzen, wenn der älteste Sohn am Wochenende zu Hause ist (Gaming-PC!).

Was ich nicht verstehe: An warmen Tagen scheinen wir auch einen geringeren Stromverbrauch zu haben. Sollte die Heizung so viel ausmachen?

Viele Grüße

Clemens

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Altes Brot ist nicht hart - kein Brot, das ist hart

Armin(R)

E-Mail

02.03.2015, 08:55

@ Clemens

Energiebedarf

Hallo Clemens,

» Hintergrund: Altes Fachwerkhaus, ca. 200 m2, 1995 komplett renoviert
» (eher: Neuaufbau). Gute Fenster, aber durch irgendwelche Ritzen zieht es
» immer.

» Wir heizen hauptsächlich mit einem Grundofen, der in eine Lehmtreppe
» eingebaut ist. Holzbedarf in den letzten Wochen meist gut 20 kg (jetzt
» etwas weniger), also etwa 90 kWh/Tag. Gas von allen zum Duschen, außerdem
» von den drei Kindern im Obergeschoß sowie bei Bedarf im Bad

was eure Heizung angeht, sieht der Holzbedarf angenehm moderat aus. Zugluft ist so 'ne Sache ... in manchen Häusern geht der Löwenanteil der Wärmeverluste durch Zugluft drauf (ungewollte Lüfungswärmeverluste = über den gewollten Luftwechsel hinaus). Das ist nicht nur schade, sondern auch heikel, weil es zu Tauwasserbildung kommen kann. Dann fault/schimmelt die Hütte.

Ich hatte mal das Vergnügen in einem wunderschönen Haus zu wohnen, das ein anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet (Molekularbiologe) selbst liebevoll saniert hatte, ohne zu berücksichtigen, daß Altbausanierung anderer Leute Fachgebiet ist. Es saht wundervoll aus und war preisgekrönt.
Die Kachelofenheizung war inkompetent ausgeführt, und das Haus hatte INNEN UND AUSSEN freigelegtes Schmuck-Fachwerk. Es zug wie Hechtsuppe und war nicht warm zu bekommen. Er hatte sich noch gefreut, wie schön BIO OFFENPORIG ATMEND (in diesem Zusammenhang --> Schwachsinn) dieses Schmuckkästchen war. Die Erbauer von vor 500 Jahren hätten ihn derb verprügelt für diese Vergewaltigung eines guten Hauses. Damals wurde zumindest innen vollflächig verputzt, und nur in Ausnahmefällen außen Sichtfachwerk ausgeführt.

Fazit: Alles was über gesunden und angenehmen Luftwechsel hinausgeht, ist sinnlos bis schädlich. FALLS es bei euch ZIEHT, dann stellt das doch an den am stärksten betroffenen Stellen ab, wenn es geht. Ich suche solche Ritzen mit Kerze oder Räucherstäbchen ;-)

Manchmal z.B. zieht es stark aus manchen Steckdosen (!). Dann Steckdosen ausbauen, zwischen Kabel und Installationsrohr mit weißer Mineralwolle/ schwerentflammbarem Quellband/Gips o.ä. zustopfen, einbauen (falls Du an's Elektrische ranwillst).
Decken/Bodenanschlüsse: Sockelleiste/Kehlleiste ab, Quellband rein, Sockel/Kehlleiste wieder ran.

Jede Zugluft-Ritze, die ihr stopfen könnt (falls möglich), erhöht den Komfort. Die unzähligen Mikroritzen bekommt ihr bei äußerem Sichtfachwerk eh' nicht dicht, also habt ihr immer noch genügend Lüftung übrig. Außerdem riecht man das ja beim Betreten, wenn ein Haus nicht (mehr) gut gelüftet wird. Bei innen und außen verputzten Massivbauten passiert das leicht mal.
FALLS es bei euch in unangenehmem Ausmaß zieht. Falls nicht -> kein Handlungsbedarf.

Aber wie gesagt - Euer Heizbedarf scheint sooo hoch nicht zu sein. Wieviel Holz ballert ihr denn pro Heizsaison so durch?

»
» Was ich nicht verstehe: An warmen Tagen scheinen wir auch einen geringeren
» Stromverbrauch zu haben. Sollte die Heizung so viel ausmachen?

Oh ja. Und wie.
In sehr vielen Häusern verbraucht allein die Heizungspumpe zwischen 750 und 1500 kWh pro Jahr. Ich habe noch viel krassere Beispiele erlebt, aber das waren Sonderfälle. Dann kommt manchmal noch eine Zirkulationspumpe hinzu ...
Unsere Heizungspumpe braucht etwa FÜNF BIS SIEBEN kWh pro Jahr.
Dafür braucht die Solarthermiepumpe bestimmt fast 100. Naja. Kommt ja mal Photovoltaik drauf :-|

Schau' Dir doch mal an, was da so verbaut ist. "Dumme" Pumpe oder elektronisch geregelte Pumpe (Grundfos Alpha oder so was)?
Ist die Heizung von 1995? Dann wird's ne dumme Pumpe sein. Ist die dumme Pumpe auf volle Leistung gestellt? Da ist oft ein Hebel dran mit dem man die Pumpe z.B. von 15-30W oder eher 45-90W verstellen kann. Oft ist auf Vollgas gestellt (der Installateur muß dem Strom ja nicht zahlen), obwohl es die Minimaleinstellung auch täte. Nicht einfach dran rumstellen, bitte, aber nachschauen und nachdenken. Man kann die Pumpe einfach durch eine intelligente Pumpe ersetzen lassen, das lohnt sich recht schnell. Wobei die Eigennutzung von eurem Solarstrom die Sache natürlich verkompliziert :-D

Unser Stromverbrauch ist jetzt übrigens auf 4-4,5 kWh am Tag runter, seit der Elektroherd und der Wasserkocher offline sind. Inklusive Baumaschinen und 2 große Gefriergeräte, und fast täglich Spülmaschine / 7-kg-Waschmaschine.
Yippieh!

Also, schau' doch mal in die Heizung rein, bist ja immerhin verhinderter Elektrotechniker ;-)

Grüße

Armin

Autarkie-Oldie(R)

02.03.2015, 09:39

@ Armin

Energiebedarf

Ältere Häuser und ältere Menschen sind (leider) die größten Hemmschuhe beim Energiesparen.

Aber Vieles kann man positiv beeinflussen.

Die Heizungspumpe scheint schon mal wenigstens abzuschalten, wenn die Heizung auch aus ist (nicht immer der Fall). Anstelle Neu-Kauf gibt es auch die Möglichkeit des Vorschaltgerätes, dass zusätzlich sich an den jeweiligen Heizwärme-Bedarf anpasst und somit nicht nur Strom, sondern auch Heizwärme sparen kann.

http://www.oeko-energie.de/produkte/energiespargeraete/index.php#04a2089a030f50e16



Was alter TV, o.ä. wirklich verbrauchen, sieht man nur, wenn man mit einem Messgerät das mal testet. Manche alte Kiste ist dann doch sparsamer, als der neue Mega-Flat-Screen. Aber 10 - 12 Stunden ist halt auch eine richtiger Hammer. Kenne ich nur aus Sardinien, wo die Dinger in den Küchen Tag und Nacht laufen...


So lange man Zugluft richtig spürt (Hand oder Kerze), sind Maßnahmen doch sehr einfach und wirkungsvoll (Wohlbefinden und Energie sparen). Fenstern mit Tesa-Moll, o.ä. dichten, sonstige Ritzen mit etwas Hanf, Flachs, o.ä. und Spachtel ausfüllen. keine Angst, da schimmelt nix! Viel schwerer wird es im Niedrig-Energie-Sektor, wenn nur noch die erwähnten Steckdosen, Rolladengurt-Durchführungen, o.ä. für Verluste sorgen...


Der Wärmebedarf ist schon ganz schön ordentlich, evtl. auch mal Nachtabsenkung, u.s.w. entsprechend einstellen.


Steter Tropfen,..... vielleicht dem Onkel ab und zu mal das Fenster, die Tür zu machen und zum Geburtstag einen neuen TV schenken - vorher aber alle Programme identisch programmieren! Evtl. auch die Strom/Heizkosten mittels eigenem Zähler passend verteilen. Geld wirkt oft überzeugend.



http://www.oeko-energie.de/energieberatung/index.php#04a20899f40fcec06

Armin(R)

E-Mail

02.03.2015, 21:35

@ Clemens

Energiebedarf

Hallo Clemens,

» Hintergrund: Altes Fachwerkhaus, ca. 200 m2, 1995 komplett renoviert
» (eher: Neuaufbau). Gute Fenster, aber durch irgendwelche Ritzen zieht es
» immer.

mal ganz grundsätzlich:

Was hat man denn 1995 so alles gemacht? Wie würdest Du den wärmetechnischen Standard beschreiben?

Grüße

Armin

Clemens(R)

19.03.2015, 18:48

@ Autarkie-Oldie

Energiebedarf

» Die Heizungspumpe scheint schon mal wenigstens abzuschalten, wenn die
» Heizung auch aus ist (nicht immer der Fall). Anstelle Neu-Kauf gibt es
» auch die Möglichkeit des Vorschaltgerätes, dass zusätzlich sich an den
» jeweiligen Heizwärme-Bedarf anpasst und somit nicht nur Strom, sondern
» auch Heizwärme sparen kann.
»
» http://www.oeko-energie.de/produkte/energiespargeraete/index.php#04a2089a030f50e16



Bei der Heizungspumpe bin ich mir nicht sicher, ob sie abschaltet. Die Stromverbrauchskurve legt das nahe, aber wir hatten gerade den Schornsteinfeger zur Feuerstättenschau da. Dem sind unsere beiden Pumpen (unten, oben) dabei ins Auge gesprungen und er empfahl dringend einen Austausch.

Die Pumpen sind laut Aufschrift "Class F" und verbrauchen bei der aktuellen Einstellung 35 und 80 Watt :-( Ich habe die hoch eingestellte Pumpe jetzt mal als erste Maßnahme auf klein eingestellt, an der läuft im Moment ohnehin nur ein Heizkörper. Wenn der Onkel meiner Frau meint, die Heizung würde spinnen, drehe ich halt wieder hoch ;-)

Viele Grüße

Clemens

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Altes Brot ist nicht hart - kein Brot, das ist hart

Pasold & Schäfer(R)

Homepage

Wuppertal,
18.02.2016, 11:59

@ Armin

Energiebedarf

» was eure Heizung angeht, sieht der Holzbedarf angenehm moderat aus.
» Zugluft ist so 'ne Sache ... in manchen Häusern geht der Löwenanteil der
» Wärmeverluste durch Zugluft drauf (ungewollte Lüfungswärmeverluste = über
» den gewollten Luftwechsel hinaus). Das ist nicht nur schade, sondern auch
» heikel, weil es zu Tauwasserbildung kommen kann. Dann fault/schimmelt die
» Hütte.

Hallo,

also eigentlich ist es nicht nur bei manchen Häusern so dass der Löwenanteil der Wärmeverluste durch Lüftungswärmeverluste entsteht sondern bei fast allen Gebäuden die nicht energetisch Saniert sind.

Dies hängt mit der Art des Heizens zusammen und der Tatsache das eigentlich alle Gebäude mehr oder weniger undicht sind. Ein Gebäude mit Fensterlüftung wie wir es in 80 % Altbaubestand haben muss eine Luftwechselrate von 3,0 einhalten, ein Gebäude mit Raumlufttechnischen Anlagen (Lüftungsanlage) eine Luftwechselrate von 1,5. Eine Luftwechelrate von 3 sagt aus das aufgrund von Undichtigkeiten von Türen, Fenstern und der Bauteile untereinander drei mal in der Stunde die Luft im Raum getauscht wird. Mit den meist verbreiteten Konvektionsheizungen müssen wir den Raum also eigentlich nicht nur einmal, sondern drei mal in der Stunde aufheizen.

Eine Tauwasserbildung ist dann problematisch wenn es an Bauteilen entsteht die dafür nicht geeignet sind und wo die Feuchtigkeit nicht entweichen kann. Es ist zum Beispiel normal das der Taupunkt einer Wand mitten in der Wand liegt, das heißt unter bestimmten Bedingungen (bei Temperaturunterschieden zwischen Innen & Außen) lagert sich Feuchtigkeit im Mauerwerk an das sich dann im Sommer wieder ablüftet. Das ist eigentlich ein ganz normaler Vorgang, problematisch wird es dann vor allem wenn die Feuchtigkeit nicht wieder entweichen kann. Deswegen ist eigentlich immer zu einer Diffusionsoffenen Bauweise zu raten oder zu Folien die die Feuchtigkeit nur in eine Richtung durch lassen, nämlich nach außen.

Wenn wir die Wand dann mit einem Wärmedämmverbundsystem versehen verlegt sich der Taupunkt in das WDVS. Dies ist auch der Grund warum Innen-Dämmungen nur von einem Fachmann durchgeführt werden sollten, da man dadurch den Taupunkt der Wand nach Innen verlegt was zu großen Problemen führen kann. Das kann dann auch Jahre später erst auftreten, weil man 10 Jahre später den Anstrich Innen erneuert hat und vergessen hat die richtige Farbe zu nehmen. Ich würde immer zur Außen-Dämmung raten wenn es möglich ist.

Schimmel bidet sich in der Regel dann dort wo die Außenwände einen Feuchtigkeitsgehalt von mehr als 60 % aufweisen. Es spielt aber auch das Lüftungsverhalten eine große Rolle, das wird von vielen Unterschätzt. So treten Schimmelprobleme sehr oft rund um Fenster auf was ein typisches Zeichen dafür ist das derjenige falsch lüftet. Wenn zum Beispiel im Winter den ganzen Tag das Fenster gekippt ist weil man vielleicht raucht kühlt man natürlich die umliegende Fensterlaibung aus. Durch den Temperaturunterschied zwischen Innen und Außen schlägt sich dann Feuchtigkeit an den Fensterlaibungen nieder die dann irgendwann zur Schimmelbildung führt. Auch wenn es viele für Geschwätz halten: 2 mal am Tag für 5-10 Minuten die Fenster ganza auf und möglichst quer lüften statt den ganzen Tag das Fenster auf kipp. Das spart nicht nur Energie sondern vermindert die Gefahr der Schimmelbildung erheblich.

Wenn Ihr Fragen habt werden wir gerne versuchen sie zu beantworten.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Schäfer
Pasold & Schäfer GbR

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