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Krawalla(R)

13.12.2017, 15:42
 

Alte Gärtnerei (Gemeinschaften)

Hallo,
ich möchte euch gerne mal unser Projekt vorstellen. Wir haben den Plan mit einer Gruppe gleichgesinnter eine alte Gärtnerei zu kaufen. Auf dem Grundstück stehen zwei Häuser und 16 große voll ausgestattete Gewächshäuser. Die Wasserversorgung läuft über einen Brunnen und das Abwasser wird durch einen eigenen Schilfweiher gefiltert. Anfangs müssen wir noch Strom von den Stadtwerken beziehen planen allerdings auch eine eigene Stromversorgung. Geheizt wird mit mehreren Öfen und einem großen Kamin. Was haltet ihr von diesen Voraussetzungen um in ein autarkes leben zu starten? Ps: Nutzvieh wie Hühner oder Enten sind auch in Planung. Und Bauland zur Ausweitung wäre auch vorhanden. Neues Sieben linden oder eher doch nicht?

ani(R)

14.12.2017, 11:26

@ Krawalla
 

Alte Gärtnerei

Hallo,
Ich bin ein recht erfahrener und fleisssssiger beobachter der Alternativscene. Auf 7L war ich in der Pionierphase ein Dauerbauwochengast.
Aus deinem Post geht nicht hervor wie eure Gruppe beschaffen und strukturiert sei und es ist nix über finanziellen Backround bekannt.
Deswegen schwer zu sagen ob und was Ihr auf die Beine stellen werdet...
7L hat aber Tausende Menschen angelockt und als solidarische Gratisarbeitskräfte genutzt, aus dieser Riesenschaar die 100 rausgepickt, die passten, eingestiegen und dabeigeblieben sind.
Jetzt vermarkten sie sich selbst quasi als Alternativzoo. Auch Ihr Wissen und Erfahrung auf allen Gebieten wird sehr teuer verkauft. Fazit: kapitalistischer als die schlimmsten Kapitalisten geworden...
Wollt Ihr auch in diese Richtung?
Gruß
Ani

---
statt es nicht nötig zu haben und nicht zu haben,
lieber es nötig haben und zu haben

Armin(R)

E-Mail

20.12.2017, 11:44

@ Krawalla
 

Erfahrungen mit Gemeinbesitz

Hallo,
ich bin schon sehr gespannt auf eure hoffentlich zahlreichen Erfahrungen mit Gemeinbesitz.:-)

Jedes Jahr wenn meine amerikanischen Freunde Thanksgiving feiern, muß ich wieder dran denken wie die sogenannten "Pilgerväter" anfangs als Kommune organisiert waren. "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen."

Nach mehreren Hungerjahren in Folge (und vielen Toten) und eher unbefriedigendem :-( persönlichen Einsatz der Kommunarden sah sich die Kolonie dann gezwungen, mit privatem Grundbesitz zu experimentieren. Der Gemeinbesitz wurde in Privatparzellen aufgeteilt, und siehe da: Der Arbeitseinsatz ging steil nach oben, die Ernte auch, und die Kolonie hatte den Hungertod abgewendet.

Was war passiert? Grundlagen der Ökonomie.
Wer sich in einer Kommune richtig reinkniet und das Gesamtergebnis erhöht, bekommt nur einen marginalen Vorteil, weil der Mehrertrag sich ja auf alle verteilt. Wer sich bei jeder Gelegenheit vor der Arbeit drückt, bekommt nur marginal weniger (weil die Kommune durch seine Faulheit etwas ärmer wird).
Wer sich am Gemeinbesitz rücksichtslos bedient, bekommt besonders viel. Wer bescheiden bleibt, bekommt besonders wenig.

Was das in einer Situation wie der Plymouth Bay Colony heißt, ist klar: Die konnte sich bei Problemen ja nicht in die Sozialstaats-Hängematte fallen lassen.

Wer sich damals vor den schweren, auszehrenden und teils gefährlichen Feldarbeit gedrückt hat (sich also geschont hat) und sich dafür rücksichtslos bei den knappen Getreidevorräten bedient hat, dem ging's am besten.
Wer sich bei Wind und Wetter - trotz wilden Tieren und Überfällen - draußen abgeplagt hat und angesichts der knappen Vorräte solidarisch Bescheidenheit geübt hat ... der ist draufgegangen.

Wir haben es also mit einem System zu tun, das Tugend bestraft (u.U. mit dem Tod) und Laster belohnt. Wer schon mal "Farm der Tiere" gelesen hat - immerhin ein Buch das von einem überzeugten Sozialisten geschrieben wurde - der wird in dem Kaltblutpferd Boxer leicht den Idealisten erkennen, der draufgeht.

Auf das moderne Thema der Stundenlöhne übertragen heißt das:

Je fauler und rücksichtsloser ein Kommunenmitglied ist, desto höher ist der "Stundenlohn".
Je fleißiger und bescheidener ein Kommunenmitglied ist, desto niedriger ist der "Stundenlohn".

Aber natürlich kann man aus solchen Gesetzmäßigkeiten nur statistische Aussagen ableiten, keine speziellen.
Auf gut deutsch: Bloß weil solche Kommunen im allgemeinen vor die Hunde gehen (weil die Anreize Tugend bestrafen und Laster belohnen), heißt das noch lange nicht daß einen einzelne Kommune nicht doch florieren kann. Genau deshalb gibt's ja noch überlebende Kommunen! Was großartig ist, schon im Interesse der wirtschaftlichen Vielfalt.:-)

Und gerade solche Ausreißer sind am interessantesten zu beobachten. Kann man immens viel daraus lernen!


Insofern wünsche ich euch viel Glück, viel Erfolg (auch spirituell) und besonders viel Tugend und Geduld.

Armin

Clemens(R)

28.12.2017, 22:34

@ Armin
 

Erfahrungen mit Gemeinbesitz

» Aber natürlich kann man aus solchen Gesetzmäßigkeiten nur statistische
» Aussagen ableiten, keine speziellen.
» Auf gut deutsch: Bloß weil solche Kommunen im allgemeinen vor die Hunde
» gehen (weil die Anreize Tugend bestrafen und Laster belohnen), heißt das
» noch lange nicht daß einen einzelne Kommune nicht doch florieren kann.
» Genau deshalb gibt's ja noch überlebende Kommunen! Was großartig ist,
» schon im Interesse der wirtschaftlichen Vielfalt.:-)
»
» Und gerade solche Ausreißer sind am interessantesten zu beobachten. Kann
» man immens viel daraus lernen!




Hallo Armin,

gibt es da welche, die langfristig bestehen und über die man auch im Internet nachlesen kann?

Viele Grüße

Clemens

---
Altes Brot ist nicht hart - kein Brot, das ist hart

Armin(R)

E-Mail

31.12.2017, 00:59

@ Clemens
 

Erfahrungen mit Gemeinbesitz

Hallo Clemens,

» Hallo Armin,
»
» gibt es da welche, die langfristig bestehen und über die man auch im
» Internet nachlesen kann?

ich habe mich nie so recht damit beschäftigt, müßte also selbst erst mal nachsehen. Ich bin gelinde gesagt nicht so der Kommunarde :-D

Ein Bekannter von mir war zeitweise auf dem Finkhof im Allgäu, den kannst Du Dir ja mal ansehen.
finkhof.de

Für die USA gibt es eine Liste unter
https://en.wikipedia.org/wiki/Fellowship_for_Intentional_Community

Schade daß Detlev hier nicht mehr aktiv ist. Seine Dorfgemeinschaft in Paraguay ist zwar keine Kommune, aber hat Züge davon und hat immerhin recht gut funktioniert.

Liebe Grüße und ein großartiges neues Jahr!

Armin

PeterNZ(R)

Kaitaia, New Zealand,
30.01.2018, 21:06

@ Krawalla
 

Alte Gärtnerei

» Hallo,
» ich möchte euch gerne mal unser Projekt vorstellen. Wir haben den Plan mit
» einer Gruppe gleichgesinnter eine alte Gärtnerei zu kaufen. Auf dem
» Grundstück stehen zwei Häuser und 16 große voll ausgestattete
» Gewächshäuser. Die Wasserversorgung läuft über einen Brunnen und das
» Abwasser wird durch einen eigenen Schilfweiher gefiltert. Anfangs müssen
» wir noch Strom von den Stadtwerken beziehen planen allerdings auch eine
» eigene Stromversorgung. Geheizt wird mit mehreren Öfen und einem großen
» Kamin. Was haltet ihr von diesen Voraussetzungen um in ein autarkes leben
» zu starten? Ps: Nutzvieh wie Hühner oder Enten sind auch in Planung. Und
» Bauland zur Ausweitung wäre auch vorhanden. Neues Sieben linden oder eher
» doch nicht?

Als ausgebildeter gaertner mit jahrzehnten von berufserfahung wuerde mich interessieren was ihr mit einer gaertnerei wollt. Als selbstversorger.

Cheers

Peter

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